„Hurra, hurra, der Wind ist da.“ Nach zwei nahezu windstillen Fahrttagen frischte der Wind wieder auf. Das Wetter war gut, ich hatte halbwegs Lust aufs Radfahren. Ich rechnete mit Rückenwind am Anfang und damit, mich hinten raus massiv quälen zu müssen. Eine neue Bestzeit hatte ich gedanklich erst einmal abgehakt. Schauen wir mal.
Auf den ersten Metern stand dann doch die 27 im Schnitt. Der Wind schob kräftig, und ich nutzte ihn, um mir einen Vorsprung herauszuarbeiten. Zur ersten Steigung kam ich in Rekordzeit. Dort verbesserte ich meinen Rekord noch einmal um zehn Sekunden. Jetzt wollte ich den Vorsprung ins Ziel retten.

An der zweiten Steigung ging es gegen den Wind. Schon bei der Anfahrt merkte ich, dass es nicht mehr locker lief. Durchtreten. Einfach nur durchtreten mit Druck auf dem Pedal. Am Ende war ich dort nur zehn Sekunden langsamer als meine Bestzeit. Oben wurde es etwas flacher, und ich überwand mich, noch einen Gang hochzuschalten. Da war noch Druck da.
Ich lag weiterhin über dem Schnitt meiner bisherigen Rekordfahrt und versuchte, dort zu bleiben. Ein Auto fuhr in der Abfahrt nur 30, dazu kamen der Wind, eine geschlossene Bahnschranke und rote Ampeln. Das kostete Sekunden. Aufgeben wollte ich trotzdem nicht. Einfach durchziehen.
Zehn Kilometer vor dem Ziel stellte ich fest, dass der Wind eher von der Seite kam als brutal von vorne. Wenn ich dranblieb, müsste es klappen. Das erhöhte den Druck noch einmal. Ich schaute ständig auf den Schnitt und versuchte, keine Sekunde liegen zu lassen.
Ausgerechnet auf diesen letzten Kilometern kamen die Zahnschmerzen wieder. Morgens waren sie schon da gewesen, über den Tag hatten sie sich gelegt. Gestern war ich beim Zahnarzt gewesen, und jetzt beim Fahren ging es wieder los. Nervig, weil ich damit schon seit einem Jahr herum mache. Auch die Waden fühlten sich während der Fahrt schwer an.
Im Ziel war mein erster Gedanke: Scheiße, die eine Stunde dreißig habe ich nicht geschafft. Ungefähr 30 Sekunden fehlten. Wind, Schranke, Ampeln und langsame Autos hatten Zeit gekostet. Ärgerlich. Aber eine Verbesserung ist schon mal gut. Damit musste ich zufrieden sein.
Wind ist zwar ein Faktor, aber im Gegensatz zum Anfang habe ich inzwischen die Kraft, auch dagegenzutreten.